blut, schweisz, staub

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(#) auch noch länger beschäftigen wird mich diese merkwürdige mischung aus celebrity-interview, infotainment und therapiesitzung mit natalie wynn über internalisierte transmisogynie und die radikal softe art, mit der wynn darauf reagiert, wie der interviewer gesellschaftliche probleme zu ihren individuellen zu machen versucht

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(#)

Der Wecker läutet, man steht auf, macht Kaffee, hört Radio, spült ab, geht duschen, zieht sich an und radelt in die Stadt. Der Wind bläst stürmisch, die Straßen werden von Autos befahren, die Menschen sehen einander und weichen sich gegenseitig aus, man wird also wahrgenommen, ist sichtbar und hat einen KÖRPER, der von einer Böe am Hochhaus Ecke Dorotheenstraße fast vom Rad geblasen wird. Die Aufzugstüre öffnet sich, die Leute steigen ein, benützen Worte, um sich zu verständigen, fahren nach oben, werfen im Büro ihre Mäntel ab und gehen an die Arbeit.

Wie ist soziale Ordnung möglich? Leider habe ich auch das vergessen. Ich versuchte durch Mitvollzug der Gesten und Handlungen vom Vorgang wieder so erfasst und aufgenommen zu werden, dass der Sinn, von dem ich weiß, dass er vorhanden ist, sich mir kurz zeigen würde. Das tat er aber nicht, der SINN blieb weg, ich konnte ihn nicht sehen. Der Computer funktionierte, ich machte Notizen, die mir eine Evidenz eventuell entgegentragen könnten. Die Erkenntnis, den Text, den Grund-übermut, den es braucht, dass man versteht, wie und wozu und warum das alles hier immer so vorgeht, wie es das tut. Beim Meister des Lernens las ich nach, bei Luhmann, überflutet von Gefühlen von Aversion, Renitenz und einer fundamentalen, gerade das Eigene betreffenden Antiaffirmativität, von Wut. Die Theorie sieht für die Erfassung dieser Möglichkeit privative Negierungen vor.

Dass es auch falsch sein kann, zu lernen, wollte ich heute begründen. Von wem man was lernen will, sollte einer wertenden Analyse ausgesetzt sein. Lernen heißt annehmen, dass man selbst irrt, die Welt aber recht hat. Aber die Welt hat nicht immer recht, und vom Schwachsinn der Welt zu lernen, kann auch selber mitverblöden heißen. Diesen Fall gibt es auch. Wenn die Methode der Beweglichkeit und Außenorientierung sich selbst als IDEE zu klar erfasst und idealisiert – der Regen peitschte gegen die Fensterscheiben, der Himmel hatte sich verdüstert. Als ich vom Text hier aufschaute, war es, mitten am Nachmittag, plötzlich schon dunkel geworden.


!!!

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(#) und parenthesis ist ja bitteschön der beste song überhaupt, warum merkt das keine/r

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(#) so was von alles drüber

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(#) ich hatte ja neulich behauptet, körper hätten ein besonders gutes gedächtnis (und das gegenteil auch) und das gegenteil ist eigentlich doch wahrer: das vergißt man ja jeden tag wieder, wie gut sich das anfühlt, abdrücke von der zeitung auf der haut, kaltes wasser ins gesicht, das zuschrauben der kaffeemaschine, dann den plattenspielerarm genau ins schwärzeste schwarz legen, rechtsklick, neuer tab. (natürlich ist das klimbim sehr llächerlich in letzter zeit und besonders gut eigentlich auch nicht, aber hey, ist mir doch egal)

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(#) so körper-dinge. irre, immer wieder. fühlt sich jedes mal an wie neu.

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(#) die immer wieder neu perfekte schönheit: musik, landschaft draußen vobei, wiebuschs stimme, auch (wie: stiegen runter, bier, laute musik. dass so was nie auf einmal nicht mehr funktioniert)

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(#) zum beispiel auch dieses unübertroffen gute laune machende gefühl des körperlich eingeschliffen sein bei ganz alten menschen, die man seit 3 oder 4 jahren oder wochen kennt, dass man da und da geht und weiß, ob es den anderen dann gerade eher nervt oder ob es eh ok ist

jugend von heute

(#) gestern vor der alten schule mittaggegessen, die hatten wohl gerade aus, so ein jugend-von-heute-gefühl, das befremden, wenn man nicht mehr denken kann, das sind meine folks, wenn die beängstigende turnschuhe, hoodies, frisuren, gesten und gehweisen haben, wohlwollen natürlich auch, aber von außen, trotzdem natürlich schönheit, alles noch so wie es immer war und immer sein wird: die jungs voraus, dann die mädchen, überlegt, war das bei uns auch so; es war, bis ich f. kennenlernte, danach eigentlich auch (anziehsachen, vornamen, die wir früher lustig gefunden haben), dabei dieses glänzen, das alle menschen mit dem 18. lebensjahr verlieren, ganz hinten kommen die zwei coolen, haarschnittsmäßig ((c) lotman), sie dreht ihm eine zigarette, eine wahrheit und schönheit, man möchte heulen vor freude, man möchte ihnen zurufen: haltet still, verharrt, werdet eurer jugend, eurer schönheit, euer unmittelbarkeit gewiss. erkennt, dass auf erden nichts besseres mehr kommen wird, ruft dem augenblick zu, er möge verweilen (wie neulich diese maturantinnen, die über radikalen konstruktivismus zu diskutieren glaubten, ständig logische, erkenntnistheoretische und ethische kategorien mischten, man wollte ihnen zurufen: haltet ein, man wagte nicht, die schönheit zu stören). wobei das lotman'sche haarschnittsmäßig natürlich wie alles andere auch nicht stimmt: wie viele abende haben wir ausgeharrt unter den besten haarschnitten und exakt eng genug zulaufenden jeans und hätte es dem herrn in diesen stunden gefallen, die erde sich auftun und die gesamte kneipe versinken zu lassen, er hätte keine gerechte seele zu sich genommen (oder eigentlich schon; die gerechten, von denen wir sprachen, wird dereinst der gefallene engel zu sich rufen, der uns die erkenntnis des notwendig falschen bewusstseins, die moderne welt und das schöne leben gebracht hat).

whatever brings you through the night it's allright

wie zum beispiel diese gewissheit, als t. aufstand, rausging, dass das moment schon vorbei ist (nur nicht mehr, wann es war), an dem wir beide noch wußten, ob das noch eine verletzende nachlässigkeit oder schon gerade das ist, weswegen man befreundet ist, dass man nicht mehr nachfragen muss, und was ist jetzt, weil das ungesagt immer bei jedem nicht einmal mehr verabschieden müssen dabei ist, oder ob es nicht eine nachlässigkeit ist, nach der man dann irgendwann ein bier trinken gehen und sich dabei erzählen gehen muss, was man für lehrveranstaltungen belegt hat oder wie es den kindern geht

wie zum beispiel p. davon erzählen, wie ich a zuhörte und immer fand, dass die sätze, die sie sagte, so herrliche songtitel sind; unbedingt einen song schreiben wollen mit dem titel "your life in a matchbox" und dem refrain "the old evil songs / i won't sing them again / another song about desire / how you like my mittelschulenglisch"

wie dasitzen und die menschen alle so schön finden

wie zum beispiel statt b. zu antworten von mir selber anzufangen

wie zum beispiel sich schon wieder selbst zu verleugnen, immer nur denken, was redest du denn, warum müssen wir immer reden (am nächsten tag blickt man von der zeitung auf und ist erleichert über alles, was man doch nicht gesagt hat, getan natürlich auch)

wie zum beispiel sich darauf zu freuen, morgen f. zu mailen

wie zum beispiel sich auf den nachmittag freuen, einen ganzen tag nur einen roman lesen, sonst gar nichts, mit a. und f. in der küche sitzen, kaffeetrinken

wie zum beispiel auf einer to-do-list unter "balkongemüse vorziehen" stichworte notieren "liebe - houellebecq - lunge"

wie zum beispiel keine lust haben, morgen überwachungskameras fotographieren zu gehen

wie zum beispiel zu b. sagen, wenn ich mir über die schulter schaue, muss ich immer wieder nur lachen, wie gut das alles ist

termine

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